"Manche Gesten sind unsterblich"
Im Jahr 1226 gründete Bischof Konrad IV. zusammen mit Regensburger Bürgern das St. Katharinenspital als Zufluchtsort für Bedürftige am Fuß der Steinernen Brücke.
Eine „Stiftung für die Ewigkeit“ sollte es werden. Und als Geste für Menschen dienen, die schlicht und einfach Hilfe benötigen.
"Manche Gesten sind unsterblich“, so Dompropst Dr. Franz Frühmorgen.
Denn nun wird das Spital 800!
Und gilt somit als eine der ältesten Sozialeinrichtungen der Welt.
Nach einem feierlichen Gottesdienst - symbolisch am Sterbetag des Gründers - feierten „die Spitaler“ gestern intern den Startschuss ins Jubiläumsjahr mit Bewohnerinnen, Bewohnern, Mitarbeitern, Ehrenamtlichen und Angehörigen.
Alle Bereiche – Pflegeheim, Brauerei, Forst, Archiv – werden sich mit verschiedenen Veranstaltungen, und Aktionen, die den Kern des Spitals noch sichtbarer machen sollen, im Laufe des Jahres beteiligen.
Das traditionelle Anschneiden eines Geburtstagskuchens zelebrierten gestern schon der Dompropst und Frau Sedlaty, eine der ältesten Bewohnerinnen des Spitals…
Die Gestaltung des Eröffnungsgottesdienstes wurde zum Großteil von den Bewohnerinnen und Bewohnern selbst übernommen - unterstützt von unserem Sozialdienstteam und vielen Ehrenamtlichen: von der musikalischen Umrahmung bis hin zum Basteln der Kerzen.
Fotos: St. Katharinenspitalstiftung
Predigt / Dompropst Dr. Franz Frühmorgen
Eröffnung des Jubiläumsjahres
08. April 2026
Mittwoch der Osteroktav (Apg 3,1-10; Joh 20,11-18)
Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Spitalfamilie,
der 8. April ist ganz bewusst gewählt als Auftakt für unsere Jubiläumsfeier 800 Jahre St. Katharinenspital. Es ist nämlich der Todestag dessen, dem wir unser Spital hier verdanken: Bischof Konrad IV. von Regensburg.
Er war der letzte aus dem Geschlecht der Grafen von Teisbach und Frontenhausen, Regensburger Kanoniker und Freisinger Dompropst, und wurde 1204 Bischof von Regensburg. In einer Zeit, in der Regensburg tief zerrissen und gespalten war in der Frage, wer in der Stadt das Sagen hat: der Bischof, der Herzog, der Kaiser oder die Bürger... Bischof Konrad schaffte es ein Jahr nach seinem Amtsantritt eine Einigung mit Kaiser und Herzog zu erzielen. Ruhe und Frieden brachte es nur bedingt. Das schaffte erst ein Vertrag acht Jahre später (1213), aus dem er mit Unterstützung des Kaisers als geistliches und weltliches Oberhaupt der Stadt hervorging – freilich unter Wahrung der Rechte und Eigenständigkeit der aufstrebenden Bürgerschaft. Was gut 30 Jahre später, 1245, dazu führte, dass Regensburg freie Reichsstadt wurde.
Seine Bedeutung für die Befriedung der Stadt ist längst vergessen, man stößt erst darauf, wenn man sich näher mit seiner Person beschäftigt. Aber zwei Entscheidungen in seiner Amtszeit wirken noch heute nach und prägen das Stadtbild bis in unsere Tage.
Die eine 1221, als noch zu Lebzeiten des hl. Franz von Assisi die ersten Minderbrüder über die Alpen nach Regensburg kamen und er der jungen Ordensgemeinschaft die kleine Salvatorkirche beim heutigen Dachauplatz als Wirkungsstätte zur Verfügung stellte. Fünfzig Jahre später errichteten sie darüber die mächtige, noch heute weithin sichtbare Minoritenkirche, die (1799) im Zuge der Säkularisation allerdings aufgegeben werden musste und heute nur noch Museum ist.
Die zweite Entscheidung aus der Amtszeit von Bischof Konrad dagegen ist bis heute lebendig und prägt unsere Stadt nicht nur architektonisch, sondern noch mehr mit dem, was hier tagtäglich an Sorge und Fürsorge für andere geschieht:
unser St. Katharinenspital.
Eine Einrichtung dieser Art gab es schon, als Konrad Bischof wurde, neben dem Dom bei der Kirche St. Johann, und darum noch Johannesspital genannt. Bischof Konrad verlegte es hierher an das Nordufer der Donau auf die gegenüberliegende Seite der Steinernen Brücke, setzte dafür Unsummen seines eigenen Vermögens ein und bewegte die Bürger Gleiches zu tun, weil hier frische Luft, sauberes Wasser und bessere Lebensbedingungen waren.
1226, in seinem Todesjahr, entließ er diese seine Stiftung in die Eigenständigkeit, indem er ihr eine Ordnung gab, die bis heute gilt. Danach wird die Stiftung geleitet von einem Spitalmeister – unser Spitalmeister heute ist der 124. und führt seitdem in Verehrung für Bischof Konrad auch seinen zweiten Vornamen: Wolfgang Konrad Lindner – unterstützt von einem aus 8 Personen bestehenden Spitalrat – vier aus dem Domkapitel und vier vom Magistrat, dem Stadtrat benannte Personen (unser neuer Oberbürgermeister ist auch unter ihnen!).
Diesen Gründungsakt feiern wir in diesem Jahr und beginnen unsere Jubiläumsfeier in Dankbarkeit für unseren Gründer an seinem Todestag.
Manche Gesten sind unsterblich: Die Teilung des Mantels durch den Hl. Martin vor Amiens, die Goldklumpen, die der Hl. Nikolaus den verarmten Mädchen ins Fenster legte, damit sie sich nicht selbst verkaufen mussten, der Kuss des Aussätzigen durch den damals noch verwöhnten Franz von Assisi… und die Stiftung unseres Katharinenspitals durch Bischof Konrad für Menschen, die aufgrund von Krankheit und Alter auf Hilfe angewiesen sind. In ihnen wird das Wort Jesu anschaulich: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan“.
Genau das erwarten die Menschen von uns als Kirche. Petrus und Johannes spüren es, als sie zum Tempel gehen und dort auf einen Bedürftigen treffen. Silber und Gold haben sie nicht zu geben, aber was sie haben, das geben sie: Zuwendung und ein gutes Wort im Namen Jesu. Das bringt den Bedürftigen auf die Beine, löst seine Zunge und schenkt ihm Kraft zum Leben. Ähnlich erlebt es Maria von Magdala am leeren Grab. Sie sucht verzweifelt nach Jesus, möchte ihn festhalten, als er sich ihr zu erkennen gibt, und muss hören, dass sie ihn freigeben muss. Fortan wird sie ihm begegnen in allen, die der Hilfe bedürfen und niemanden sonst haben.
Diesem Auftrag wissen wir uns im St. Katharinenspital verpflichtet. Viel war es in seiner 800-jährigen Geschichte. Ursprünglich ein Krankenhaus für Arme und Bedürftige. Dann wandelte es sich zu einer Pfründneranstalt, d.h. zu dem, was es noch heute ist: ein Alten- und Pflegeheim. Bald kam ein Pilgerheim dazu und eine Fremdenherberge, in dem der Spitalmeister Gäste bewirtete. Heute lebt das fort im Gasthaus und Biergarten; und wir freuen uns, dass viele gern hierher kommen, um sich verköstigen zu lassen und unser gutes Bier zu genießen. Unsere wichtigsten Gäste aber sind Sie, liebe Bewohnerinnen und Bewohner unseres Pflegeheims. Wir wollen Ihnen dienen, weil uns Christus selbst uns durch Sie anblickt und um unsere Zuwendung bittet.
Wir wissen, dass das Alter für Sie nicht immer leicht ist. Sie haben Ihr gewohntes Umfeld aufgeben müssen; die Kräfte schwinden; auch wenn man unter anderen Menschen ist, fühlt man sich manchmal einsam und verlassen; und die Einschränkungen, die einem das Alter auferlegt, sind nicht immer einfach. Kein Geringerer als Papst Franziskus hat das wie Sie empfunden. Ich denke, er spricht Ihnen aus dem Herzen, wenn er in seinen wenige Wochen vor seinem Tod herausgekommenen Lebenserinnerungen schreibt:
Ich spüre, wie ich „in meinem Aktivitäten eingeschränkt bin und auch ein wenig niedergeschlagen… Was mir zusetzt, ist die körperliche Demütigung der Knieschmerzen. Anfangs machte es mich verlegen, auf den Rollstuhl angewiesen zu sein, aber das Alter bringt eben so einiges mit sich, und man muss es annehmen, wie es eben kommt… Ich gehe am Stock. Ich mache so viele Schritte, wie ich kann, und so geht es. Ich stütze mich auf den Herrn. Und vor allem: Sein Stock und sein Stab geben mir Zuversicht. (Ps 23,4) Und wenn ich auch nicht mehr laufen kann wie in jungen Jahren, weiß ich doch, dass er mir vorangeht. Er lässt mich nicht fallen und verlässt mich nicht. (Dtn 31,6-8).“
Menschliche Zuwendung ist wichtig, aber genauso wichtig ist auch der Trost aus dem Glauben. Darum ein großes Vergelt’s Gott unserem Seelsorger, Prälat Hermann Hierold, der trotz der Beschwerden des Alltags, die auch ihn bisweilen quälen und beeinträchtigen, nicht müde wird, Ihnen im Glauben Trost und Ermutigung zu geben, und allen, die ihn dabei unterstützen.
Wir sind mehr als eine Sozialeinrichtung; wir wollen ein Ort gelebten Glaubens sein. Darum steht die Katharinenkirche mitten in unserer Einrichtung. Was wir hier feiern, dass unser Gott keinen vergisst, dass er sich um jeden annimmt, das wollen wir in unserem Alltag leben.
Es ist ein Geschenk, das Bischof Konrad uns mit dem Spital gemacht hat. Und wir sind froh und dankbar für alle, die es in seinem Sinn weiterführen. In der Pflege und in der Küche, in der Verwaltung und im Archiv, im Forst und in der Brauerei, auch im Biergarten und im Gasthaus.
Beim Kreuzweg mit Papst Leo am vergangenen Karfreitag im Kolosseum in Rom wurde ein Wort von Franz von Assisi zitiert, das Bischof Konrad vielleicht nicht gekannt hat und doch unbekannter Weise seinem Spital eingestiftet hat: „Selig der Mensch, der seinen Nächsten in dessen Gebrechlichkeit genauso unterstützt, wie er von ihm gestützt werden möchte, wenn er in ganz ähnlicher Lage wäre“ (Erm XVIII, 1). 800 Jahre Spital – das sind 800 Jahre gelebte Nächstenliebe, 800 Jahre Gastfreundschaft und Einsatz für andere, 800 Jahre Weiterentwicklung in Treue zum Ursprung. Danke allen, die echte Spitaler sind. Bischof Konrad hätte seine Freude an ihnen. Mit ihnen bleibt seine Stiftung lebendig und auch in Zukunft ein Segen für unsere Stadt.
Darum herzlichen Glückwunsch unserem Spital und „ad multos annos“ – auf viele gute Jahre und Jahrzehnte auch weiterhin!