spital empfängt Pilger aus Heimat des Gründerbischofs

Einen Höhepunkt im Jubiläumsjahr der St. Katharinenspital-stiftung markierte am 26.04.2026 der Besuch der Historischen Interessengemeinschaft Mittleres Vilstal am Brückenfuß. Die Begegnung stand im Zeichen der tiefen historischen Verbundenheit zwischen der Regensburger Spitalstiftung und Frontenhausen, der Heimat des Stifterbischofs Konrad IV. (Amtszeit 1204–1226).

Vom Vilstal an die Donau: Spitalstiftung als bleibende Vermächtnis von Gründerbischof Konrad IV.

Den feierlichen Auftakt bildete ein Gottesdienst in der Spitalkirche St. Katharina. Prälat Hermann Hierold als Spitalgeistlicher begrüßte die Gäste als Pilgerinnen und Pilger aus der Heimat des Gründerbischofs. Der Geistliche hob die außergewöhnliche Verbindung zwischen dem Spital und Frontenhausen hervor: Bischof Konrad IV., der letzte Graf von Frontenhausen, zudem Kanzler des Königs Philipp von Schwaben, vermachte seinen bedeutenden Eigenbesitz der Stiftung. 
Damit schuf der visionäre Kirchenmann und Politiker gemeinsam mit der Regensburger Bürgerschaft ein zeitloses Fundament christlicher Nächstenliebe, das bis heute – 800 Jahre später – das soziale Wirken der Spitalstiftung für alte, kranke und bedürftige Menschen in Regensburg trägt.

Vom Siegel Konrads IV. zum Projekt OIKOS: Gelebte Spitalgeschichte

Nach den geistlichen Impulsen aus der Andacht erwartete die historisch interessierten Gäste aus Frontenhausen ein Einblick in die Bestände des Spitalarchivs. Als „Gedächtnis der Stiftung“ verwahrt es eine lückenlose Dokumentation der Stiftungsaktivitäten seit dem 13. Jahrhundert. Für die Frontenhausener Gruppe wurde hier die Geschichte Konrads IV. in Form von originalen Schriftstücken greifbar, etwa der Grundstückskaufurkunde mit dem Siegel Konrads IV. 

Neben der Rückschau präsentierte die Stiftung den Gästen das zukunftsweisende Projekt „OIKOS“. Dieses denkmalgerechte Sanierungsvorhaben zeigt exemplarisch, wie die Stiftung den Spagat zwischen der Bewahrung des UNESCO-Welterbes und den Anforderungen der Gegenwart im Sinne ihres Gründerbischofs weitsichtig angeht. Auch der Spitalbrauerei wurde ein Besuch abgestattet.

Spital als „Spiegel des Mittelalters“: Wissenschaftlicher Diskurs und Frontenhausener Wurzeln

Nach Bierprobe und Brotzeit beleuchtete ein Fachvortrag des chinesischen Mittelalterhistorikers Joseph Zesheng Su (LMU München) das St. Katharinenspital als „Spiegel des Mittelalters“ und verdeutlichte das komplexe Zusammenspiel zwischen Bischof, Bürgerschaft und der frühen Sozialfürsorge im Regensburg des 13. Jahrhunderts. Im Ulrich-Obser-Saal des Spitalschreiberhauses zeigte darüber hinaus eine Posterausstellung die nachhaltige Bedeutung des Wirkens von Bischof Konrad IV. von Frontenhausen für die Regensburger Fürsorgelandschaft auf. 

„Der Besuch aus Frontenhausen erinnert uns daran, dass die Wurzeln der Stiftung weit über Grenzen Regensburgs hinausreichen“, resümierte Spitalarchivarin Kathrin Pindl. „Das Projekt OIKOS ist unsere Antwort auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – ganz im Geiste Konrads, der in der spätmittelalterlichen Metropole Leben, Arbeit und Kultur verantwortungsbewusst und langfristig gedacht im Blick hatte“, so die Spitalarchivarin. 

Brückenschlag zur Heimat: Historischer Ausklang im Dom und in Gut Aschach

Den Abschluss bildete für die Gäste aus Frontenhausen eine kulturhistorische Führung im Regensburger Dom, wo Bischof Konrad IV. seinerzeit in der damaligen Katharinenkapelle bestattet worden war, sowie ein Kurzbesuch der spätmittelalterlichen Wenzeslauskapelle im Spitalgut Aschach, das ebenfalls seit 800 Jahren inmitten der Spitalwaldungen im Geiste Konrads IV. zur Wohlfahrt der Stiftung beiträgt. 

Spitalmeister Wolfgang Lindners Fazit: „Für das Spital war dieser Tag ein gelungener Beleg dafür, dass das 800-jährige Jubiläum nicht nur ein Rückblick auf die historischen Wurzeln, sondern ein lebendiger Dialog mit der Region ist.“ Die Begegnung mit der Historischen Interessengemeinschaft Mittleres Vilstal, mitorganisiert von Josef Wunderlich und Christina Geier aus Frontenhausen, unterstrich die Bedeutung der Geschichte als lebendiges Fundament für die karitative Arbeit der St. Katharinenspitalstiftung heute.

Fotos: St. Katharinenspitalstiftung